Rückzug ist nicht immer Luxus – sondern manchmal ein dringend benötigter Anlauf
- Michaela Diesch

- 2. März
- 4 Min. Lesezeit
Erlebnisse aus einer Woche Workation in Tirol.
Als ich vergangene Woche in Tirol ankam, war mein Kopf noch voll.
Offene To-do-Listen.
Etliche Szenen im Krimi, die noch nicht ganz stimmten.
Ein Onlineformat, das in den letzten Zügen lag.
Gedanken zur Leipziger Buchmesse.
Ich war nicht erschöpft.
Aber ich war innerlich laut.
Und dann dieser erste Morgen.
Sonnenaufgang über den Bergen.
Kühle Luft. Stille.

Eine Stille, in der man merkt, wie laut die Gedanken in letzter Zeit waren.
Ich habe mich zurückgezogen, nicht um Urlaub zu machen, sondern um Fokus zu finden.
Gemeinsam mit meiner Coach Jennifer Beitel und drei weiteren beeindruckenden Frauen habe ich diese Woche als Workation genutzt: zum Schreiben, Denken, Strukturieren und Klären.
Und mir ist wieder mal etwas deutlich geworden.
Gemeinschaft als Resonanzraum
Businessentwicklung klingt oft nach Marketing.
Nach Außenwirkung. Nach Positionierungssätzen.
Für mich war es in dieser Woche vor allem innere Klärungsarbeit.
Wer bin ich gerade in meiner beruflichen Entwicklung? Was trägt wirklich?
Was ist gewachsen – und was passt nicht mehr?
Im Austausch mit Jennifer und den anderen Frauen wurde deutlich, wie wertvoll ein ehrliches Gegenüber ist. Nicht im Sinne schneller Optimierung, sondern als Resonanzraum.
Manchmal braucht es andere, die die richtigen Fragen stellen. Manchmal braucht es ein Gegenüber, das sagt: „Da sehe ich dich.“ Oder auch: „Das klingt noch nicht ganz nach dir.“
Gemeinschaft hat diese Woche nicht abgelenkt.
Sie hat geschärft.
Zwischen Gesprächen, Feedbackrunden und konzentrierten Arbeitsphasen entstand eine Klarheit, die im Alltag oft zu kurz kommt.
Konzentriertes Arbeiten verändert Entscheidungen
Neben den Gesprächen gab es lange, stille Arbeitsphasen.
Ich habe weiter am Krimi geschrieben. Habe dem mentalen 1. Hilfe-Koffer eine technische Heimat auf meiner Website geschaffen. Und ich habe meinen Beitrag für die Autor*innenrunde auf der Leipziger Buchmesse vorbereitet, bei der ich im März eine Tischrunde leiten darf.
Was mir auffiel:
Entscheidungen fühlen sich anders an, wenn sie nicht zwischen Terminen fallen.
Wenn man nicht ständig zwischen E-Mails, Telefonaten, Reiseplänen und Verpflichtungen springt, entsteht Raum. Und in diesem Raum werden viele Dinge klarer.
Nicht unbedingt schneller. Aber ruhiger.
Eine Szene, die ich zu Hause nicht „rund“ bekommen hatte, war plötzlich geschrieben. Nicht, weil ich plötzlich besser schreiben kann. Sondern weil ich weniger abgelenkt war.
Das ist ein Unterschied.
Tee, Yoga und die fünf Sinne
Vor den Arbeitsphasen gab es Tee und Yoga. Vor dem Frühstück auch noch einen kleinen Spaziergang. Und all das in dem wunderschönen Ambiente des Wienerhofs.
Und während ich dort saß, wurde mir wieder bewusst, wie sehr diese scheinbar „kleinen“ Dinge die eigentlichen Stellschrauben für gelingende Regulation sind.
Ein Thema, das mich die letzten Wochen sehr beschäftigt hat, denn in meinem Beitrag bei der Leipziger Autor*innenrunde geht es um Regulation in herausfordernden Situationen. Situationen wie z.B.:
eine schlechte Rezension erhalten.
vor einer Lesung stehen.
in einem Gespräch blockieren.
beim Schreiben feststecken.
Was in all diesen Momenten passiert, ist oft ähnlich:
Gedanken springen.
Zurück in die Vergangenheit: „Das habe ich noch nie gut hinbekommen.“
Oder in die Zukunft: „Was werden die anderen denken, wenn …?“
Das aktiviert unser Stresssystem. Und der Körper reagiert.
Der Herzschlag beschleunigt. Der Atem wird flach. Vielleicht grummelt der Bauch.
Genau deshalb setzt der mentale 1. Hilfe Koffer, den ich in Leipzig vorstellen werde, nicht primär beim Denken an.
Sondern bei der Regulation über die fünf Sinne.
Sehen. Hören. Spüren. Riechen. Schmecken.
Wenn wir uns bewusst im Hier und Jetzt verankern, bekommt unser System Orientierung zurück. Nicht perfekt. Aber ausreichend, um wieder handlungsfähig zu werden.
Rückzug als Voraussetzung
Diese Woche in Tirol war keine Pause vom Arbeiten. Sie war Arbeit unter anderen Bedingungen.
Nicht getaktet von Terminen, nicht unterbrochen von Reisezeiten, sondern getragen von Zeit und Konzentration.
Und genau das verändert etwas.
Abstand schafft Raum. Raum schafft Differenzierung. Und Differenzierung reduziert Stress.
Das gilt für das Schreiben. Für Positionierungsfragen. Für Entscheidungen.
Nicht alles ist entschieden. Aber vieles ist klarer.
Ich komme aus Tirol zurück mit:
konkreteren Gedanken zu meiner weiteren Ausrichtung
einer technischen Heimat für den mentalen 1. Hilfe-Koffer
neuen Impulsen für den Krimi
und der Vorfreude auf die Autor*innenrunde in Leipzig

Und mit der Postkarte für meine
Teilnehmer*innen bei der Leipziger Autor*innenrunde. (Da wartet eine kleine Überraschung auf alle, die dabei sind.)
Vor allem aber mit der Erkenntnis:
Rückzug ist kein Zeichen von Rückschritt. Er ist oft Voraussetzung für Entwicklung.
Vielleicht braucht es nicht immer Berge.
Aber vielleicht öfter bewusst gesetzte Räume.
Für Gemeinschaft.
Für Stille.
Für klare Gedanken.
Ich winke
Michaela
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Zum Abschluss:
Ich arbeite gerade weiter an meinem ersten Cosy Crime. Und gleichzeitig an einem mentalen 1. Hilfe-Koffer. Beides wächst nicht durch Tempo – sondern durch Raum.
Ob ich immer sofort weiß, wie es weitergeht? Nein!
Aber ich bleibe dran. Meistens mit einer Tasse Tee. 🌞
Bei welchem Projekt bräuchtest du gerade nicht mehr Anstrengung – sondern mehr Raum?
Lass es mich gern wissen.




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