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Scheiter heiter – und mach weiter

Oder: Warum Frust manchmal nur ein missverstandener Anfang ist

Ich habe viele Dinge angefangen. Malen. Schreiben. Projekte. Ideen.

Und ich habe genauso viele Dinge wieder aufgehört.

Nicht, weil sie mir keinen Spaß gemacht hätten. Sondern weil sie nicht sofort gut waren. Oder weil sich diese leise, aber hartnäckige Stimme meldete: „Siehst du? Das wird nichts.“

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Wenn Begeisterung auf Erwartung trifft


Ich erinnere mich so gut an viele solcher Momente: Die erste Euphorie ist da. Das Material liegt bereit. Die Idee fühlt sich rund an.

Und dann – das Ergebnis. Holprig. Unfertig. Nicht das, was ich mir vorgestellt habe.

Frust macht sich breit. Und mit ihm die Angst vor dem Scheitern.

Lange Zeit habe ich Frust als Zeichen dafür verstanden, dass ich nicht gut genug bin – oder ich besser gleich wieder aufhören sollte.

Heute weiß ich: Frust ist oft einfach nur der Moment, in dem Realität auf Ideal trifft.


Ein Workshop, etliche Tetrapacks – und viele „unperfekte“ Bilder


Vergangene Woche war ich in einem Kurs, in dem wir mit Tetrapacks Druckbilder hergestellt haben.

Die Kursleiterin, Ruth Alice Kosnick ist eine wundervolle und warmherzige Wissensvermittlerin.

Sie gab uns viel Raum für ein spielerisches, experimentelles Arbeiten. Keine großen Vorgaben. Viel Ausprobieren. Und Anregungen statt Kritik.


Im Vorfeld hatte ich zwei Vorlagen gezeichnet, denn ich wollte Postkartenmotive gestalten. Natürlich mit Botschaft. Es sollte schließlich richtig gut werden. Mit Bedeutung und so …

Als eine meiner Töchter die Entwürfe sah, war ihr Kommentar: „Schön, aber denkst du nicht, dass das für den Anfang ein wenig zu filigran ist?“

Nein, das dachte ich natürlich nicht. 🤪 Woran ich aber dachte, war, dass ich die Schrift natürlich spiegeln musste. Dank moderner Technik war das auch kein Problem. Hüstel.


Enthusiastisch begann ich also in dem wunderschönen Atelier von Ruth Alice, meine Vorlagen auf die Tetrapacks zu übertragen. Da die Motive klein waren, war ich recht flott und bereitete beide Druckkartons auf einmal vor, ohne vom ersten einen Probedruck zu machen. Schnell ist schließlich effektiv und effektiv ist gut, oder?


Und dann kam der große Moment. Ich kurbelte meine erste „Druckplatte“ mit Papier und allem Pipapo durch meine Nudelmaschine. Ja, du liest richtig, das kann man mit seiner Nudelmaschine machen.

(Vielleicht hast du auch so ein Modell zu Hause. Dieses Modell: „Ich werde jetzt zur Superhausfrau und mache meine Nudeln selbst.“ Wenn ich mich richtig erinnere, gab es zweimal selbstgemachte Nudeln. 🙃)

Aber ich schweife ab, wir waren beim Kurbeln. 


Das erste Ergebnis, Trommelwirbel, sah so aus:


Eine Katze auf einer Postkarte. Aufschrift: Miau, Punkt. Schrift ist falsch gespiegelt.

Und ja, du siehst richtig. Das mit dem Spiegeln muss ich noch einmal genau durchdenken. Und ja, das Motiv könnte man durchaus, als ein wenig zu filigran bezeichnen. Und ja, mein innerer Kritiker fände noch viele weitere Fehler.


Früher hätte ich wahrscheinlich die Nudelmaschine in die Ecke gestellt und mir fest vorgenommen, es doch wieder mit Pasta zu versuchen.

Doch bei diesem Kurs habe ich gelacht – und weitergemacht.

Am ersten Tag sogar mit diesen Motiven. Dank Ruth Alice mit richtig gespiegelter Schrift. Die nächsten Drucke entwickelten sich.




Gleiches Bild wie oben. Schrift richtig gedruckt. Schrift nun lesbar.

Und ich freute mich. Über das, was entstand. Nicht perfekt, eventuell zu filigran, aber meins.


Am nächsten Tag habe ich dann meine Erwartungen komplett losgelassen. Mir spontan ein Motiv aus den Vorlagen unserer wunderbaren Kursleitung ausgesucht und fröhlich experimentiert. Langsam, ruhig, ohne den Gedanken an Effizienz. 









So schwamm dieser Wal auf  das Papier. Und weißt du was? Ich liebe ihn.


Ein Wal der durchs Meer schwimmt. Ein goldener Mond ist zu sehen.

„Scheiter heiter – und mach weiter.“


Diesen Satz habe ich vor Jahren in einem Improtheater-Workshop kennengelernt. Und er hat sich leise, aber nachhaltig in mir festgesetzt.

Im Improtheater ist Scheitern kein Problem – es ist Teil des Spiels. Du stolperst, du lachst, du nimmst den Impuls – und gehst weiter.

Was wäre, wenn wir genau das auch auf unser kreatives Tun übertragen?

Was, wenn ein Bild, ein Text, ein Anfang nicht gut sein muss, sondern einfach da sein darf?


Kreativität braucht keinen Zweck


Gerade wir Erwachsenen – und besonders viele Frauen – haben verlernt, etwas zu tun, ohne es sofort zu bewerten.

Ist es gut genug? Bringt es etwas? Kann man es zeigen?


Dabei ist Kreativität ursprünglich zweckfrei. Kinder malen nicht, um gute Bilder zu machen. Sie malen, um zu malen.

Vielleicht liegt genau hier der Schlüssel: Nicht weniger Scheitern – sondern mehr Erlaubnis, weiterzugehen.


Meine Learnings:


Ich höre noch immer manchmal auf. Ich bin noch immer frustriert.

Der Unterschied ist: Ich erkenne den Frust schneller als das, was er ist – ein Übergang. Kein Endpunkt.

Scheiter heiter. Und mach weiter.

Oder leg es kurz zur Seite. Und komm zurück.

Beides ist erlaubt.

Beides erlaube ich mir selbst.


Ich winke


Michaela


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Nicht wundern, der Link ist im Moment mit einem kleinen Workbook zum Thema Feedback verbunden.


Zum Abschluss:

Ich „scheitere/schreibe“ gerade an meinem ersten Cosy Crime. Ob ich jemals „Ende“  unter die letzte Zeile setzen kann, weiß ich heute noch nicht, aber ich mache weiter. Meistens heiter. 🌞

Bei welchem Projekt möchtest du dir ein heiteres Experimentieren erlauben? Lass es mich gerne wissen.


 
 
 

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Ich begleite Menschen als Coach, Kunsttherapeutin und Lektorin – mit Feingefühl, Struktur und einem offenen Herzen.

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