Manche Übergänge klopfen nicht an
- Michaela Diesch

- 29. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Es waren ungefähr 37 Grad an diesem Tag. Draußen flimmerte die Luft über dem Asphalt, und drinnen, in der Schulaula, war es kein bisschen besser. Im Gegenteil.
Reihe an Reihe, gefüllt mit Eltern, Großeltern, Geschwistern. Alle in sommerlicher Garderobe, alle leicht glänzend im Gesicht. Und vorn: eine Rede. Dann noch eine. Und noch eine.
Ich saß da, fächelte mir mit dem Programmheft Luft zu, und versuchte, gleichzeitig den Worten zu folgen und nicht an meinen zerlaufenden Kajal zu denken.
Unser zweites Kind hatte seinen großen Tag. Die Abiturzeugnisse wurden verliehen.
Und irgendwann, zwischen der vierten und fünften Rede, bei gefühlt 40 Grad Innentemperatur, kam dieser leise Gedanke. Ganz unspektakulär. Mitten in der Hitze.
Das war's jetzt.
Das letzte Mal – und keiner sagt Bescheid

Es war die letzte Schulveranstaltung. Die allerletzte. Also gut, der Abiball wartete noch auf uns. :-)
Sechzehn Jahre lang hatten diese Termine unser Familienleben strukturiert. Einschulung, Elternabende, Sommerfeste, Zeugnisausgaben. Ein Rhythmus, der so selbstverständlich war, dass ich ihn gar nicht mehr als Rhythmus wahrgenommen habe. Er war einfach da.
Und jetzt saß ich in dieser aufgeheizten Aula und merkte: Das hier ist das Ende davon. Und niemand hatte mir Bescheid gesagt. 🙃
Das ist mir nämlich aufgefallen: Kein Elternabend kündigt an: „Übrigens, liebe Eltern, das hier ist jetzt das letzte Mal.“ Es gibt keine Vorwarnung für den letzten Schulranzen-Morgen. Keinen Hinweis auf das letzte Sommerfest. Man steht oft einfach mittendrin, eingehüllt in den täglichen Alltagstrubel – und erst hinterher dreht sich der Moment um und wird zur Erinnerung.
Der Juni, in dem sich vieles gestapelt hat
Es war ohnehin so ein Monat, in dem die Dinge zusammenkamen.
Ich war in Hamburg und München unterwegs, um Seminare zu halten. Thema – und hier muss ich selbst schmunzeln: Konflikte managen. Ich erkläre also fremden Menschen, wie sie mit Spannungen, Reibung und schwierigen Momenten umgehen. Während mein eigener Juni vor lauter Veränderung leise vibrierte.
Dazu die Hitzewelle, die sich über alles legte. Über die Bahnfahrten, über die Seminarräume, über die Aula. 37 Grad sind kein Wetter mehr, das man so nebenbei mitnimmt. 37 Grad sind ein Faktor. Etwas, das den Tag bestimmt, ob man will oder nicht.
Und genau da liegt für mich die Parallele.
Veränderung ist wie eine Hitzewelle
Eine Hitzewelle kann man nicht wegdiskutieren. Man kann nicht mit ihr verhandeln, sie nicht auf nächste Woche verschieben, weil es gerade ungünstig passt. Sie ist da. Punkt.
Mit Veränderung ist es oft genauso.
Das eigentlich Herausfordernde an Veränderung ist nämlich selten das große, laute Drama. Das sieht man kommen. Darauf kann man sich einstellen, Pläne machen, sich wappnen.
Schwer sind die stillen Übergänge. Die „letzten Male", die als ganz normale Termine getarnt sind. Der Moment, in dem etwas leise ausläuft, ohne dass eine Glocke läutet.
Und wie bei der Hitze hilft es wenig, sich dagegen zu wehren. Was hilft, ist: klug damit umzugehen. Sich vorzubereiten. Etwas griffbereit zu haben.
Was ich in der Aula gemacht habe
Ich könnte jetzt so tun, als hätte ich in diesem Moment souverän gelächelt und alles war gut.
War es aber nicht. Da war ein Kloß im Hals. Diese Mischung aus Stolz und Wehmut, die einem keiner abnimmt.
Deswegen habe ich in diesem Moment etwas gemacht, das ich auch im Coaching empfehle – und das ich, offen gesagt, selbst manchmal vergesse: Ich habe meine Sinne genutzt.
Statt mich in Gedanken an all die Jahre und das, was jetzt vorbei ist, hineinzusteigern, habe ich angefangen, wahrzunehmen. Die Lehne des Stuhls in meinem Rücken. Das Programmheft, das ich als Fächer benutzte. Die lächelnden Gesichter der Abiturienten, als sie ihre Zeugnisse entgegennahmen.
Der Kopf wollte grübeln. Die Sinne haben ihn geerdet.
Das ist kein großer Zauber. Aber es ist erstaunlich wirksam. Wenn der Kopf in Schleifen läuft – über das, was vorbei ist, über das, was kommt – dann ist der schnellste Weg zurück oft nicht noch mehr Nachdenken, sondern: wahrnehmen, was gerade tatsächlich da ist.
Etwas, das man sich einpacken kann
Genau dafür habe ich vor einer Weile etwas zusammengestellt: meinen Mentalen 1. Hilfe-Koffer.
Kleine, alltagstaugliche Übungen für die Momente, in denen die Veränderung einem zu nah auf die Pelle rückt. In denen der Kopf blockiert. In denen man nicht weiß, wohin mit all dem, was sich gerade verschiebt.
Nichts Kompliziertes. Nichts, wofür man drei freie Wochenenden braucht. Einfach das, was man griffbereit haben möchte, bevor die nächste Hitzewelle kommt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Und jetzt kommt etwas, worauf ich richtig stolz bin: Mein Mentaler 1. Hilfe-Koffer ist beim Leads-Magazin 2026 mit dabei.
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Auf das letzte Mal folgt ein erstes Mal
Das Schöne ist: Auf ein letztes Mal folgt fast immer ein erstes.
Anfang Juli fahre ich mit Zora auf die Nordseeinsel Borkum. Dort tritt sie ihren ersten längeren Job an. Zwei Wochen bleibe ich mit ihr auf der Insel – und dann fahre ich heim, während sie dort bleibt. Ein erstes Mal für sie.
Diese zwei Wochen auf Borkum möchte ich außerdem nutzen, um an meinem Cosy Crime weiterzuschreiben. Zwischen Seezeichen und Möwengeschrei – das passt ja irgendwie.
Und dann mache ich noch etwas, von dem mir einige abgeraten haben: Ich lasse mir zwei kleine Fingertattoos stechen.
Tattoos an den Händen? Das macht man nicht! Überleg dir das gut. Was, wenn du es bereust?
Ich habe alle Meinungen gehört. Ich höre sie mir gern an – andere Perspektiven sind oft wertvoll. Aber zuhören heißt nicht annehmen. Es gibt Entscheidungen, die treffe ich am Ende für mich. Nicht trotzig, nicht aus Prinzip. Sondern weil es meine sind.
Vielleicht ist genau das die andere Seite von Veränderung. Nicht nur das Loslassen von dem, was war. Sondern auch das mutige Ja zu dem, was ich für mich will – auch wenn andere skeptisch den Kopf schütteln.
Und du?
Vielleicht magst du beim Lesen einen Moment innehalten. Denn ich frage mich gerade selbst – und gebe die Fragen gern an dich weiter:
Welches „letzte Mal“ erlebst du vielleicht gerade? Und welches erste Mal wartet vielleicht schon auf dich?
Und noch eine: Gibt es eine Entscheidung, die eigentlich nur dir gehört – bei der du dir aber von zu vielen Stimmen reinreden lässt?
Magst du mir davon erzählen? Schreib es gern in die Kommentare. Ich lese alles.
Zum Schluss
Danke, dass du bis hierhin gelesen hast.
Ich wünsche dir einen Juli, in dem du die Übergänge wahrnimmst, bevor sie vorbei sind. In dem du Meinungen anhörst, aber am Ende auf dich selbst hörst. Und in dem dein 1. Hilfe-Koffer gut gefüllt ist – für die heißen Tage, in jeder Hinsicht.
Ich melde mich dann mal bei der Nordsee. Und bei meinem Cosy Crime.
Sonnige Grüße
deine Michaela




Die Sinne einschalten, wenn der Kopf wild Gedanken tanzen lässt, das ist eine Methode, die ich auch gerne nutze. Und bedaure, dass ich sie so spät kennengelernt habe. Kann ich nur jedem Empfehlen. Und Glückwunsch zum 1. Hilfekoffer bei Leads.